Zeki Arslan


VON MONOCHROMIE ZUR MEHRFARBIGKEIT

Gedanken zu Bild und Farbverständnis bei Zeki Arslan. Aus einer Abhandlung von Necmi Sönmez

...Zeki Arslan beschäftigt sich in seinen Werken mit grundlegenden Begriffen wie Struktur, Farbe und Komposition... Es gilt also, den perspektivischen Blick mit Bezug auf die zur Entstehung dieser Kunst notwendigen Stufen zu lenken.

Arslan hat in den Jahren 1977-1982 eine klassische Ausbildung an der Fachhochschule Münster im Bereich Design absolviert.
Zum Spektrum dieser Ausbildung gehörte die Beschäftigung mit gegenständlicher Malerei, Fotografie, Serigraphie, Radierung, und Graphikdesign. In der Auseinandersetzung mit mimetischer Kunst sowie mit dem Medium Graphik hat sich Arslan in seinen Figurenbildern und Landschaften, - Grundlagenforschung betreibend, - mit der Bildfläche auseinandergesetzt.
Die Erlernung verschiedener grafischer Techniken führte ihn notwendigerweise zur Beschäftigung mit dem Phänomen Oberfläche. Um eine leere Fläche zu bearbeiten, bedarf es intensiver Auseinandersetzung mit verschiedenen Strukturelementen wie Strich, Fleck, Farbe usw. Arslan konzentrierte sich zunächst auf die Kunst der Linie, d.h., auf die Linie, die nachahmt. In einer nächsten Stufe erfolgte ein Abstrahieren nach der Natur, einhergehend mit der Beschäftigung mit Farbe und freier Komposition. In seinen grafischen Arbeiten sowie in der Fotografie interessierten ihn Probleme des Lichts, im letzteren Medium die Synthese von künstlichem und natürlichem Licht.

Zu den besonderen Experimenten gehörte, Fernsehbilder abzufotografieren und im Sinne eines Sandwich-Prints übereinander zu drucken. Diese Erfahrung verwertete Arslan auch im Medium der Grafik, und in der Folge gelang es ihm, verschiedene Techniken im Rahmen eines Werkes zu benutzen. Eine quasi unendliche Möglichkeit, sich mit Farbe auseinanderzusetzen, hatte er in der Arbeit mit Serigraphien.
Doch nicht nur Experimente mit Farbfotos entstanden, die Schwarzweiß Fotografie nahm ebenfalls ein breites Spektrum ein. Den Künstler interessierten Strukturen aus der Natur, wie z.B. die von Baumrinden, Blättern, Ästen oder Alltagsdingen, die fotografiert und im Labor vergrößert wurden.
Im Detail studierte er den Verlauf der Linien, Schatten, des Lichtes usw.
1982 beendete er schließlich mit der Perfektionierung des Hochdrucks seine Studien. Als Quintessenz dieser Lehrjahre gilt festzuhalten, daß er vornehmlich am Phänomen Struktur interessiert war und ihm diese Beschäftigung in seiner weiteren künstlerischen Entwicklung erhalten bleiben sollte.

Bevor endgültig das ungegenständliche Bild im Werke Arslans dominieren sollte, spielen die Jahre 1982-1985 eine bestimmte Rolle, nämlich dergestalt, daß in dieser Zeit die Arbeiten einem Prozeß des Schaffens und Zerstörens ausgesetzt wurden. Vornehmlich kleinformatige Arbeiten wurden für Oberflächen-Experimente benutzt. ...Ausgangspunkt war für den Künstler allerdings immer das mit Ölfarbe gemalte, geradezu klassische Bild, welches diversen Experimenten unterzogen wurde.
Mit zunehmender Konzentration auf Struktur-Analysen wurde die Farbe immer mehr zurückgenommen, die Bilder verblaßten und entfernten sich von inhaltlichen Äußerungen. Mittels einer Palette von grauen, braunen, gelben, hellgrünen und erdigen Farben und Tönen entstanden, mehr denn Farbformen, Farbflächen , die in ihrem hierarchischen Nebeneinander den Eindruck von Weite erweckten. Wenn von Weite gesprochen wird, so bezeichnet dieser Begriff die Abwesenheit von perspektivischer Tiefenillusion. -
Wir finden hier also im besten Sinne reine Fläche und farblose Farben . Solche Kompositionen assoziieren aufgrund des Fehlens von Bildanfang und -schluß Endlosigkeit , die...durch die Verwendung des All-Over-Prinzips entsteht. Dieses Prinzip finden wir in nahezu allen ungegenständlichen Bildern, die nach 1985 entstehen; für ein Verstehen dieser Malerei ist es von großer Bedeutung.

Arslans Kunst, die sich zwischen 1985 und 1990 in lyrisch-abstrakter Manier entwickelt, ist im Kontext mit den Bildäußerungen des Deutschen Informel zu sehen. In dieser nach dem 2. Weltkrieg entstandenen spezifischen Kunstrichtung, die das Kunstgeschehen bereichert hat, erhält die Farbe eine durchaus psychologische Dimension . Arslan, der sich 1985 entscheidet, ungegenständlich zu arbeiten, kamen seine oben beschriebenen Experimente dergestalt zugute, daß er eine Bildsprache mit zusammenhängenden Formen realisierte.
In dieser Zeit, in der er die Bildfläche als unendlich auffaßte, dominierte eine reduzierte Farbpalette. Es ist zu beobachten, daß in der Bildauffassung Arslans und ....der Protagonisten der informellen Richtung in den 50ern, formale Ähnlichkeiten vorherrschen. Hans Sedlmayr...führte die Ungegenständlichkeit in der Kunst auf die Zerrissenheit des Menschen und seiner Psyche mit Bezug auf die Erfahrungen des 2. Weltkrieges zurück.
Arslan, dessen Werke zwar formal einen Bezug zum Deutschen Informel haben, lebt heute allerdings in einer grundsätzlich anderen geistigen und seelischen Umwelt. Seine Arbeiten nach 1987, denen Arslan zunächst keine Titel gab, entstanden in einer ersten Phase durch die Verknüpfung von blassen Farbtönen zu einer lyrischen Bildsprache. ..

Von heute aus gesehen können wir eine lineare Entwicklung dieser Bildkunst feststellen. Die Jahre 1985-1990 sind diejenigen, in denen sich Arslan intensiv mit der Oberfläche der Leinwand beschäftigte, diese auf unterschiedliche Art und Weise behandelte, Farben abkratzte, diese verteilte, letztlich das All-Over-Prinzip durchgehend benutzte. Die Farben wirken in den Bildern nicht schwer, nicht massiv. So könnte man für diese Zeit von einer in sich gekehrten Malerei im Modus eines farblosen All-Overs sprechen. Die erhabenen Stellen in diesen ungegenständlichen Bildern äußern sich nicht inhaltlich, sondern formal. Die Farben und Strukturen sind im Sinne eines chaotischen Beieinanders nicht mehr voneinander zu trennen.

Daß die 1991... gezeigten Bilder die Überwindung des Informel im Werke von Arslan zeigten, ist der neuen Rolle der Farbe bzw. einem anderen Verständnis von Farbe zuzurechnen.
Durch die intensive Verwendung von Basisfarben wie Grün, Rot, Blau oder Gelb erhält man den Eindruck von einer beweglichen Oberfläche. Der Eindruck einer permanenten Bewegung, die ein Ende nicht zu kennen scheint, erweckt ein Gefühl von Unendlichkeit. Trotz des freien Verlaufs der Farben werden die Gemälde von schwarzen und braunen Farbpartikeln im Bildinneren gerahmt.
Diese Tatsache zeigt an, daß sich die Farben um ein bestimmtes Zentrum drehen. Diejenigen Farbströme, die sich dem Zentrum nähern, werden... quasi-perspektivisch bewegt. Doch trotz der intensiven Verwendung von starken Farben erhalten diese, aufgrund der Eigenart dieser Ölmalerei, keine herausragende Kraft. Denn auf der bearbeiteten Oberfläche befindet sich ein feiner Glanz, der einer Firnisschicht ähnelt. Schaut man hinter die Oberflächenschicht, so wird man gewahr, daß dort differenziert mit Farbe gearbeitet wurde.

Die Ölfarbenmalerei findet sich auch in der ... blauen Bodenarbeit "Spiral-Objekt"(1994) . Dieses dreidimensionale Werk verweist auf eine ... wieder veränderte Farbskala Arslans in den Arbeiten dieses Jahres. Die Farbe Blau steht hier im Mittelpunkt. Interessant ist, daß der Charakter der Farbe Blau mit der Spiralform einhergeht, und zwar dergestalt, daß Unendlichkeit thematisiert wird. Zeki Arslans bedächtiger Weg einer fast schon klassisch zu nennenden Malerei erfährt durch den Wechsel des Mediums eine interessante Perspektive für die Zukunft.

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